Montag, 26. April 2010

Cloud-Computing

Am 15. April hatte ich zusammen mit einem Kollegen die Cloud Computing Tage 2010 besucht. Die Deutsche Kongress hatte u.a. nach Stuttgart eingeladen. Dank Sponsorship durch die GI (schon Mitglied?) wurde die Teilnahmegebühr für uns beide unschlagbar günstig ;-).

Was gibt es dem Nachbericht vom Veranstalter noch hinzuzufügen?
Das Thema wurde natürlich erstmal definiert, nebst Ausprägungen und Abgrenzung. Ins Unreine gesprochen ist eine Cloud nix anderes als ein Service, der über's Internet bezogen wird. Da gäbe es dann
und natürlich
  • Public Clouds (öffentlich nutzbare, wie die oben vorgestellten Beispiele)
  • Private Clouds (nicht-öffentliche, z.B. Clouds in firmen-internen Rechenzentren)
  • Hybrid Clouds (der Mix aus Public und Private Cloud)
Wozu das ganze?
Wenn ich nur vorübergehend Rechenkapazit brauche oder gar keinen eigenen Server-Fuhrpark anschaffen kann, nutze ich Anwendungen und Systeme "virtuell" über das Internet.
Beispiel aus dem ersten Vortrag: bei DSDS wird für die Abstimmung nach jeder Sendung ein Abstimmungs-Formular im Internet gebraucht. Das Formular ist immer nur begrenzte Zeit nach der Sendung online und wird dann wieder gesperrt. In der online-Zeit passieren Millionen von Zugriffen, danach bis zur nächsten Sendung null. Warum sollte nun ein Sender wie RTL eigene Rechner für die ganze Staffel anschaffen, um jeweils für ne halbe Stunde pro Woche mit dem Ansturm der Zuschauer gerüstet zu sein? Kostet ja 'nen Haufen Geld. Günstiger geht's per Cloud, wo RTL nach dem Modell "pay-as-you-use" die Rechner eben nur für die tatsächliche Nutzung mieten könnte.

Nun zu meinen Anmerkungen:
Cloud Computing wurde vorgestellt als revolutionäre Evolution in der IT Industrie. Unter anderem wurde von einem "Angriff auf die interne IT" gesprochen. Das gilt mit Sicherheit überall dort, wo existierende Rechenzentren in Teilen oder als Ganzes "in die Cloud" verlagert werden. Aber wie schnell wird das geschehen? Zumindest brauche ich dann eine superextrabreite Internetverbindung damit ich die Services aus der Cloud auch ähnlich schnell nutzen kann, wie im lokalen Netz, das meist besser ausgebaut sprich: schneller ist. Sagt auch Gunter Dueck im neuesten Informatik Spektrum. Was soll ich mit nem virtuellen Superrechner, wenn die Straße dorthin ein Trampelpfad ist. Und bei den Massen an Daten die in manchen Organisationen bewegt werden, ist auch eine tolle DSL-Leitung ein Trampelpfad...

Aber stellen wir uns vor, die Services werden wirklich aus der Cloud bezogen. Zugegeben, als Unternehmen brauche ich dann sicherlich nicht mehr die gleiche Anzahl Mitarbeiter im Rechenzentrum wie heute. Und wie sieht's aus mit Anwendungsentwicklern und R/3-"Beratern"?
Siehe die Tabelle unten mit einem Beispiel aus der SAP-Welt und gegenübergestellt Beispiele der jeweiligen Ebene aus der Cloud-IT. Nutze ich einen Service auf Applikationsebene (Cloud-Englisch: SaaS), bleibt nur noch die Ausgestaltung dieser Anwendung und Anreicherung mit zusätzlichen Services und Apps. Nutze ich "nur" einen Service der unteren Ebene, müssten sich entsprechend weiterhin System-Administratoren, Entwickler und Berater um die jeweils höher liegenden Schichten bemühen.




Erweiterungen Reports, Anwendungen Services, Apps
Applikation SD, MM, FI... salesforce.com
Platform R/3 Windows Azure
Infrastruktur HP mit Unix Amazon EC2


Also sind hier meiner Meinung nach die Einsparpotentiale nicht so wirklich zu sehen...(nochmal zum Mitschreiben: Das war die gute Nachricht an alle Entwickler und Berater *grins*) ...außer ich kombiniere Cloud IT gleich mit Outsourcing von Systemadministration und Entwicklungsaufgaben. Aber da wären die eventuell zu erzielenden Einsparungen nicht der Wolke zurechenbar.

Was bleibt - und keinesfalls zu unterschätzen ist - wäre dann die Veränderung von fixen (im Rechenzentrum rumdümpelnde Server, die trotz aller Virtualisierungsbemühungen nur zeitweise was zu tun kriegen plus das dazugehörige Personal) hin zu variablen Kosten (weg mit den Rechnern und pay-as-you-use in der Cloud). Allein deshalb wird sich das Thema aber am Markt durchsetzen und dadurch wirklich einige Verändungen mit sich bringen. Aber auch hier gilt es sehr genau zu rechnen und zu vergleichen, ob sich der Einsatz wirklich lohnt.

Achja, und bei all diesen Überlegungen blieb bislang das Thema Datenschutz außen vor. Sind denn meine Daten in der Cloud sicher...? Meiner Meinung nach genauso sicher wie im eigenen mal recht mal schlecht abgesicherten Netz. Aber da sollen andere Experten ihre Meinung kundtun.

Was meinst Du?

PS: ... der BITKOM hat einen Leitfaden zum Thema erstellt, bei Computerwoche.de gibt's eine Bildergalerie mit den Ergebnissen einer Umfrage von IDC plus weitere Artikel, CIO prüft Cloud Computing im Reality Check, und von salesforce.com steht ein Video auf YouTube.com:










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